Green City Life

Grüne Helfer

Klimawandel findet Stadt: Extreme Hitze, Starkregen und Sturmschäden – schon heute leiden auch Stadtbewohner unter den Folgen der Erderwärmung.

Damit unsere Städte lebenswert bleiben, müssen zum Beispiel mehr Bäume gepflanzt werden. Denn Eiche,Fichte und Co. können viel mehr als „nur“ Schatten spenden.

Luftfilter
Dass Bäume CO2 aufnehmen und Sauerstoff abgeben, ist Schulwissen. Weniger bekannt ist, dass die Holzgewächse die Luft sogar von Schadstoffen reinigen können. Blätter und Nadeln sind in der Lage, Stickoxide, Ozon und Gifte wie Dioxin aufzunehmen. Feinstaub wird über behaarte oder klebrige Blattoberflächen eingefangen. Ein gesunder Stadtbaum kann bis zu 70 Prozent des Feinstaubs aus seiner Umgebungsluft filtern. Und in Städten mit vielen Bäumen sind die Spitzenkonzentrationen von Ozon um acht Prozent niedriger als in dicht besiedelten Kommunen mit wenig Grün.

Kühlung
Ein Sonnenschirm kann da nicht mithalten: Vitale Bäume kühlen das lokale Klima aktiv. Immerhin 60 Prozent der auf die Blätter fallenden Sonnenenergie setzt der Baum ein, um Wasser zu verdampfen. Dank dieser Transpirationskühlung ist die Mittagstemperatur in einer baumbestandenen Allee rund sechs Grad niedriger als in einer Straße ohne Bäume. Der Baumschatten verhindert, dass sich Straßen und Gebäude extrem erhitzen. So wurden im sommerlichen Basel auf Dächern in der prallen Sonne Temperaturen von über 60 Grad gemessen, während das Thermometer unter Bäumen nicht über 26 Grad stieg. Für zusätzliche Kühlung kann die Begrünung der Fassade sorgen – zum Beispiel mit Efeu oder wildem Wein.

Windschutz
Bäume und Sträucher sind hervorragende Windfänger. Während draußen der Sturm heult, kann es in einem Wald nahezu windstill sein. Allerdings reicht der Windschutz einer dichten Bepflanzung nicht sehr weit. Anders bei einer lockeren Baumreihe: Erstaunlich ist, dass hier die geschützte Fläche 15- bis 20-mal so lang ist wie die Höhe der Bäume. In dicht bebauten Straßen wirken Bäume zudem dem Schluchtencharakter entgegen und bremsen die Windgeschwindigkeit.

Starkregen
Bedingt durch den Klimawandel kommt es immer häufiger zu extremen Wetterlagen mit heftigem Regen. In stark versiegelten Städten wird das zum Problem, das Wasser kann kaum noch ablaufen. Die Folge: überlastete Kanalisation, Hochwasser, Überschwemmungen. Hier können Bäume helfen. Sie wirken wie Schwämme oder Wasserspeicher. Wo Bäume gepflanzt sind, kann Regen in den Boden sickern, wird von den Wurzeln aufgenommen und über die Blätter wieder in die Luft abgegeben. Bei einer stattlichen Buche können das im Sommer gut 500 Liter sein.

Biodiversität
Jeder Baum ist ein kleines Biotop. Je älter und größer der Baum, umso mehr Tiere leben von und in ihm. Das Spektrum reicht von Insekten über Vögel bis hin zu Kleinsäugern wie Eichhörnchen oder Fledermäusen. In der Tierwelt besonders beliebt ist zum Beispiel die Eiche. Dieser einheimische Baum kann bis zu tausend Jahre alt werden und mehrere Hundert Tierarten beherbergen.

Spaß
Neben all diesen klimaschonenden und wohltuenden Effekten sollte auch der Spaßfaktor nicht vergessen werden. Kaum ein Kind kann der Herausforderung widerstehen, auf Bäume zu klettern. Dabei fördern sie ihre motorischen Fähigkeiten und gewinnen Selbstvertrauen. Eine tolle Übung – nicht nur für Kinder. Wer sich nicht so hoch hinaus traut, kann ja zum Beispiel auf einer zwischen zwei Bäumen gespannten Slackline seinen Gleichgewichtssinn trainieren – natürlich ohne dabei die Bäume zu verletzen.

Psyche
Allein der Blick in eine grüne Baumkrone ist heilsam. So genesen Patienten nach einer Operation tatsächlich schneller, wenn sie durchs Fenster ihres Krankenzimmers auf Bäume sehen können. Auch gegen Stress und Erschöpfung hilft der Anblick von Grün. Studenten mit Ausblick auf Bäume sind konzentrierter und leistungsfähiger als die Kommilitonen, die auf eine überwiegend bebaute Umgebung schauen. Noch gesünder ist es natürlich, direkt vor die Tür und raus in die Natur zu gehen: Menschen, die in der Nähe eines Parks leben, leiden seltener an Angststörungen, Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Quellen: „Grüne Stadt“, Dipl.-Ing. Marc Wilde, Stadt München, US EPA, Institut Wohnen und Umwelt

Weitere Informationen

Wanderbaumallee – grüne Straßen für München
Die Grünpaten

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