Green City Life

Murals – ein mächtiges Medium

Kunst an der Wand ist ein mächtiges Medium. Sie wirkt im Zusammenspiel mit dem Ort und hat ein riesiges Publikum. Murals werden immer populärer.

Sozialer Brennpunkt heißt das Kunstwerk, das der Politaktivist NoName an die Seite eines Wohnhauses im Münchner Westend gesprüht hat. Dort leben Menschen, die es sich schon lange nicht mehr leisten könnten, in dem zunehmend schicken Viertel zu leben. NoName wollte mit diesem Streichholzschachtel-Mural auf die soziale Ausgrenzung, aber auch das Potenzial, das Feuer dieser Menschen aufmerksam machen. Ähnliches hatte eL Seed im Sinn, der im Viertel der Müllsammler in Kairo ein Riesenmural über 50 Häuser hinweg geschaffen hat. Ein soziales Projekt und eine öffentliche Anklage der herrschenden Zustände.

Street-Art ist im ursprünglichen Sinne politische Kunst. Die Künstler nutzen die Mauern einer Stadt, um ihre Botschaften großflächig und für jeden sichtbar zu platzieren. Viele bewegten sich dabei im illegalen oder halblegalen Raum. Die israelische Regierung hätte es Street-Art-Künstler Banksy niemals erlaubt, seine kritischen Kommentare auf die Mauer zwischen Isreal und Palästina zu sprühen. Der bis heute anonym gebliebene Star ist auch ein gutes Beispiel für den Hype, den Street-Art seit einigen Jahren erlebt. In der Regel werden Banksy-Kunstwerke sofort aus den Mauern herausgebrochen und für viel Geld verkauft. Banksy selbst hat sich in seinem Film „Exit through the giftshop“ darüber lustig gemacht.

Heute sind Murals ein Teil der Kreativwirtschaft, der auch aus der öffentlichen Hand finanziell bedacht wird. Viele Städte sehen es als schmucken Standortvorteil, wenn in der Szene renommierte Künstler sich an ihren Wänden verewigen. Und die Botschaft? Nicht mehr unbedingt ein Stachel im Fleisch der Mächtigen.

MEHR ARTIKEL LADEN